Die Universalvokabel

Viele Gespäche bedienen sich vieler Worte – ohne etwas zu sagen. In der Programmierung von Computern unterscheidet man Programmiersprachen anhand ihrer „Mächtigkeit“. Ist eine Sprache „mächtig“, so erreicht man ein Ergebnis mit wenig „Code“, also Text. Eine Sprache, die nicht mächtig ist, braucht also mehr Code, um das gleiche Ergebnis zu erreichen.

Bei Menschen sollte man besser nicht die Sprache, sondern den Sprecher danach beurteilen, wie er mit selbiger (der Sprache) umzugehen versteht.

Bei vielen Menschen ist ein Wortschatz von einer Größe „mehr als eins“ unnötig, da sie ohnehin nichts zu sagen haben. Ich meine hier nicht Ehemänner, ich meine Schwafler. Der übliche Smalltalk solcher Menschen bedient nicht den Bedarf an Informationsaustausch, sondern den Bedarf nach menschlichem Austausch. Somit ist die Zeit und der Austausch von Longitudinalwellen (in diesem Fall Schallwellen) miteinander das Entscheidende.

Wenn der Inhalt der Worte aber egal ist, wäre es dann nicht sehr viel ehrlicher, nur ein Wort – die Universalvokabel – zu verwenden? Andere Menschen können möglicherweise nicht ahnen, dass ein laufendes Gespräch nicht dem Informationsaustausch dient. (Dieser Irrtum triff meist die Menschen, die ihre Sprache zum Informationsaustausch nutzen). Diesen Menschen gegenüber wäre die Nutzung einer Universalvokabel für Smalltalk ehrlicher.

Ich habe mich – zusammen mit mehreren Freunden – für „Gack“ als Universalvokabel entschieden. Die Unterhaltungsversuche der Nicht-Informationsüberträger in diese Universalvokabel übersetzt, erinnern dann (nicht zu unrecht) direkt an einen Hühnerhaufen. Hühner allerdings sind sehr wohl in der Lage, mit dieser einen Vokabel Informationen auszutauschen, und an dieser Stelle wird die Universalvokabel dann interessant.

Grußformen wie „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“ können problemlos mit der Universalvokabel bestritten werden. Mit der richtigen Betonung können auch „ja“ (gack!) und „nein“ (gack…) mit der Universalvokabel dargestellt werden. Auch andere Worte wie z.B. „Toll“ (GACK!) oder „wie bitte“ (gack?) oder „wann geht der nächste Bus zum Hauptbahnhof“ (gackgackgack, gack!) könnten ausgedrückt werden. Ob die Kommunikation funktioniert, hängt jedoch davon ab, wie weit die Universalvokabelnutzer schon aufeinander eingestellt sind.

Die Wahl der Universalvokabel ist lokalen Einflüssen unterworfen. Von „heyarschloch“ (Hamburg Billstedt) über „hastemalneneuro“ (Stadtpark), „ääähhhhhh“ (Schulhof) bis zu „willstewaszutrinkenhaben“ (Disko) passen sich die Menschen bei der Wahl der Universalvokabel an ihre Umgebung an.

Also: Es ist wie es ist – gack!

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