Im Timm-Thaler-Regiment

Nach meinem Anschluss an der Bundeswehr-Universität wurde ich ins Heeresfliegerregiment 16 versetzt. Heeresweit hatte dieses Regiment den Beinamen Timm-Thaler. Die älteren werden sich erinnern an eine Fernsehserie, in der ein Junge sein Lachen verkaufte.

Dieses Regiment war eines von drei Panzerabwehrhubschrauberregimentern (never play scrabble against a german) – allerdings das einzige in nur einer Autostunde Entfernung von der Heeresfliegerwaffenschule. Im Rahmen der Offensive Heldeninzucht wurde das Führungspersonal, dass für “höhere Aufgaben” bestimmt war, zwischen der Schule und dem Regiment hin- und hergeschossen. Merke: wer schon hoch genug n der Herachie steht, der muss auch nicht mehr umziehen.

Natürlich schielten alle auf den einzigen Generalsposten der Heeresfliegertruppe. Um sich für diesen Posten zu empfehlen, musste Leistung gezeigt werden. Freilich nicht die eigene – die Untergebenen galt es zu knechten. So kam das Regiment zu seinem Namen.

Da sich jetzt aber jeder Berufsoffizier, der dem Regiment zuversetzt wurde, damit zwingend davon ausging, dass er irgendwann der General der Heeresflieger werden würde, bestand permanente Verletzungegefahr – irgendwo war immer eine Schleimspur, auf der man ausrutschen konnte.

Als ich dem Regiment zuversetzt wurde, war der aktuelle Kommandeur aktiv im Triathlon. Die Wachsoldaten wurden alle angewiesen, wenn ein kleiner Mann auf roten Rennrad sich der Wache nähert, ist die Schranke zu öffnen und zu grüßen. (Den Kommandeur, nicht die Schranke).

Ein Gefreiter, der während der Einweisung wohl nicht ganz wach war, reagierte nicht und ein Oberst lag auf der Straße, auf seinem Fahrrad aber unter der Schranke. Der Wachsoldat sagte nur: “Schranke oben: Schranke auf – Schranke unten: Schranke zu.” Zum Glück hatte dieser Kommandeur Humor.

Während seiner Regentschaft machten die Ortsansässigen Fahrradhändler Rekordgewinne, da alle Offiziere hektisch triathlongeeignete Fahrräder kauften.

Der nächste Kommandeur war dann ein Golfspieler. Die Kleinanzeigen füllten sich mit gebrauchten Fahrrädern; Golfausrüstungen wurden gekauft.

Kurz vorm nächsten Kommandeurswechsel streute ich das Gerücht, der kommende Kommandeur wäre Spingreiter. Aber das ist eine andere Geschichte.

Als das Regiment dann endlich aufgelöst wurde, war ich schon Zivilist. Ich habe es mit nicht nehmen lassen, Eine Stunde vor dem Auflösungsantreten den letzten Start mit einer Zivilmaschine (D-KOOK) vom Platz zu planen. Gute Bekannte sicherten mir die dafür notwendige PPL (Permission prior landing). Ich habe mich dann etwas verspätet, so dass mein Takeoff die inzwischen angetretene Formation ein wenig durcheinander brachte. ich muss mal mein altes Flugbuch suchen und den Stempel abscannen – das glaubt mir ja sonst kein Mensch.

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