Wer wird Lehrer?

Wie kommt ein normaldenkender Mensch eigentlich dazu, einen unterbezahlten Beruf zu ergreifen, ohne die Möglichkeit, den Urlaubszeitplan selbst bestimmen zu können? Urlaub in der Nebensaison ist nicht nur viel preiswerter, sondern auch viel ruhiger – weil Kinder schließlich in der Schule sind und nicht am Ferienort.

Ein Arbeitplatz mit hohem Lautstärkepegel und permanente Ungerüche, keine ordentliche Mittagspause und natürlich keine Möglichkeit, eine vernünftige Mahlzeit zu sich zu nehmen. Muss ich das haben? Die eindeutige Antwort: ich nicht, ich habe etwas Anständiges studiert.

Wer aber studiert „auf Lehramt“?

Einen Vorteil hat der Lehrerberuf doch: dort werden auch Menschen zum Beamten auf Lebenszeit berufen, die normalerweise ein Problem haben würden, eine Probezeit in einem normalen Unternehmen zu überleben.

Grundsätzlich gibt es zwei Grundtypen: Die einen sind ambitioniert, scheitern an der Realität, verzweifeln an der Flexibilität der Kollegen, gegen die sogar die katholische Kirche flexibel ist, und landen irgendwann mit Depressionen in der Klappse – und die hat eine eigene Abteilung für sie, weil es so viele sind.

Die anderen haben den Beruf gewählt, weil sie die Ferien gewählt haben. Diese Gruppe möchte ich etwas eingehender beschreiben:

Etwa 50% eines Schuljahrganges erwerben die Hochschulreife – das Abitur. Der Durchschnitts-IQ liegt in Deutschland bei 100. Da nicht alle überdurchschnittlich Intelligenten zwangsläufig das Abitur erwerben, muss es also auch unterdurchschnittlich intelligente Abiturienten geben. (Wer diesen einfachen logischen Schluß nicht versteht, gehört dazu).

Gehen wir also davon aus, dass Abiturienten mit einem IQ ab 90 zu finden sind.

Bilden wir wiederum drei Gruppen an Studiengängen, so finden wir die „Spitzendenker“ in den Paradedisziplinen der Wissenschaft: in den Naturwissenschaften, der Medizin, den Ingenieurswissenschaften und in der Informatik. Interessante Aufgaben locken eben. Die „Mittelklassedenker“ unter den Studierenden verteilen sich auf allerlei andere Fächer wie Jura, Geologie, usw. Den Bereich der studentischen Vollpfeifen erkennt man zuverlässig am fehlenden Numerus Clausus. Die, denen die höheren Weihen versagt bleiben, enden dann als studierter Taxifahrer (BWL- Studenten) oder eben als kordhosentragender Lehrer.

Gehen Sie also bitte davon aus, dass Lehrer in einen IQ-Bereich zwischen 90 und 110 angesiedelt sind. Und jetzt das schlimme: damit sind 40% der Schüler intelligenter!

Gehen wir weiter davon aus, dass die intelligenten Schüler im wesentlichen an den Gymnasien sind, so bedeutet das, dass alle Lehrer, die etwas besser mit grauen Zellen ausgestattet sind, am besten an die Gymnasien gehen.

Damit bleiben für die anderen Schulen Lehrer mit einem IQ, der um 100 liegen dürfte. Sofern alle Schüler mit höherem IQ am Gymnasium sind, geht das in Ordnung und keinem fällt etwas auf.

Liebe Kollegen, bevor jetzt das große Gemeckere einsetzt, meldet euch doch erstmal zum IQ-Test an. Wer nicht innerhalb von zehn Minuten herausfindet, wo das für 50 Euronen kurzfristig möglich ist, kann das Geld schon sparen. Der Test ist für euch sinnvoll, da gerade die Selbsteinschätzung von Lehrkräften Fehlerwerte bis 30% hervorbringt, seltsamerweise nur in eine Richtung.

Mit anderen Menschen zu kommunizieren fällt schwerer, je weiter die IQ der Gesprächspartner auseinander liegen. Schon allein deshalb wäre es gut, Hochbegabte nicht an Schulen einzusetzen. Die Kommunikaton mit dem Leerkörper ist stellenweise einfach zu kompliziert. Insbesondere, wenn die studierten Pädagogen sich einem Seiteneinsteiger gegenüber für werweißwie überlegen halten.

Auch das Schülerklientel schreckt einen Hochbegabten eher ab. Wenn der Schulleiter dann noch auf die Idee kommt, seinen einzigen nachweislich hochbegabten Lehrer im AVJ (Ausbildungsvorbereitungsjahr = Evolutionsbremsen in Reinkultur) einzusetzen ist nicht einmal im Ansatz ein Ansatz von Qualitätsorientierung vorhanden? Oder sollen jetzt die Kollegen mit dem zweistelligen IQ die besonders begabten Schüler fördern?

Was kommt dabei heraus, wenn der schlechte Durchschnitt die Lehrerschaft bildet und damit auch die Lehrpläne entwirft? Ist PISA schon vergessen? Natürlich eine kollektive Volksverblödung. Was ist denn heute das wichtigste in der Schule? Lesen, Schreiben und Rechnen etwa? NEIN! Natürlich nicht. Powerpoint ist wichtig! Heute muss jeder Absolvent präsentieren können – egal was.

Das ist natürlich wichtig. Wenn ich morgens meine Brötchen kaufe, erwarte ich von der Verkäuferin ja auch, dass sie erst einmal den Beamer aufbaut und mir die Zusammensetzung der Fertigbackmischung mit Hilfe von animierten Bildchen erklärt. Ob sie das Wechselgeld richtig berechnen kann ist mir schnurz!

Inzwischen gibt es die ersten Bars, in denen Powerpoint-Karaoke veranstaltet wird. Unsere Jugendlichen sind in dieser Disziplin brilliant! Der Inhalt ist natürlich nebensächlich. In einer technisierten Welt muss die unbedingte Beherrschung der Technik gezeigt werden, alles andere muss da natürlich zurücktreten. Wer die meisten Animationseffekte initiieren kann, bekommt eben die besten Noten. Schade nur, dass Powerpoint doof macht – es entfernt den Fokus vom Inhalt.

Überhaupt ist der Unterrichtsstil, der heute als „schick“ gilt, eine Ansammlung von Peinlichkeiten. „Methodenvielfalt“ heißt das Zauberwort. So wird eine Präsentation am Beamer natürlich in ein multimediales Feuerwerk eingebunden. Dazu gehören regelmäßige Filmvorführungen – natürlich von VHS-Bändern, das digitale Aufzeichnen und Codieren eines Filmbeitrages überfordert einen Lehrer nämlich. (Englischlehrer benutzten an Hamburgs führender Medienschule immer noch den Kassettenrekorder und spulen seelig vor und zurück. Der vorhandene Lehrercomputer wird nicht für die Hörproben genutzt.)

Ebenfalls groß im Kommen: Smartboards als Tafelersatz. Das Potential dieser Geräte hat noch keiner im Ansatz verstanden. Dazu dann Metaplanwände um jeden Preis – je mehr desto besser. (Früher hätte man Pinnwände dazu gesagt).

Die ganz Harten setzen neben Beamer und Metaplanwänden noch gleichzeitig den guten alten Overheadprojektor ein. Gutes und Bewährtes kann ja ruhig weiter benutzt werden.

Der durchschnittliche Lehrer auf dem Weg zur Klasse wirkt inzwischen wie ein Golfspieler, nur dass in seinem „Bollerwagen“ keine Eisen sind – obwohl die für manche Methode auch sehr geeignet wären – sondern Berge von Papier, Wandzeitungen, Stiften, Folien, …

Deshalb kommen die Lehrer ja auch immer zu spät in den Unterricht – sie behindern sich mit den riesigen Taschen gegenseitig. Aufgrund der erhöhten Tragebelastungen und der daraus resultierenden Gesundheitsschäden muss jeder Schulneubau inzwischen über einen Fahrstuhl für das pädagogische Personal verfügen.

Was wäre denn das optimale „Reisegepäck“ eine Lehrers? Aus meiner Sicht reicht das Wissen, wie eine FTP-Übertragung funktioniert. Damit konnte ich immer von zuhause aus meine Vorbereitungen auf dem Schulserver ablegen und direkt vom Klassenraum aus aufrufen. Falls das Netz einmal ausfällt reicht ein kleiner Memorystick. Als „Hardware“ noch ein roter und ein blauer Stift – so bin ich zehn Jahre lang ausreichend gerüstet gewesen.

Als Kollegen mir einmal dringend rieten, meine Methodenvielfalt zu erweitern (die Schüler hat es nie gestört, dass bei mir der Dreisatz „Vormachen – Nachmachen – Üben“ die Standardmethode ist) habe ich einmal eine hierarchische Serverstruktur am Beispiel der DNS als Rollenspiel durchführen lassen. Der erste Schüler war „.“ – so heißt der „König“ der Stuktur nun einmal. Aufgrund der hierarchischen Struktur stand er auf einem Tisch, auf dem die Server der TLDs saßen. Darunter, auf Stühlen die DNS-Server der Provider und am Boden die Clients. Die DNS-Anfragen wurden dann in Form von Papierbällchen weitergereicht.

Als humoristisches Highlight war die Methode geeignet, schade um die Unterrichtszeit war es trotzdem.

Dummerweise sind die Lehrer noch nicht einmal allein schuld an der Methodenpeinlichkeit. Das Seminar (als die Organisation, die die Lehrer nach dem Studium während des Referendariats ausbildet) verlangt es so! Dort sitzen nämlich die Oberbesserwisser, die an der Front – also in der Schule – gescheitert sind und dann auf den Elefantenfriedhof abgeschoben wurden. Da sitzen sie jetzt und versauen unseren Nachwuchs. Zwar weiß kein Junglehrer, wie ein Klassenbuch geführt wird und wie die notwendigen Sekundärtugenden durchgesetzt werden, aber das was sie nicht können, können sie mit einer wunderbaren Methodenvielfalt vermitteln.

Einen Referendar im Supermarkt erkennt mann übrigens am laminierten Einkaufszettel.

Für alle meine lieben Kollegen, die meine hier vorsichtig vorgetragene Kritik nicht verstanden haben, das Ganze noch einmal als Powerpoint-Präsentation zum herunterladen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,630918,00.html

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