Sage zärtlich „Laserdrucker“ – Technik (2)

„Flüstere mir etwas ins Ohr, was noch nie jemand zu mir gesagt hat“. „Laserdrucker“. Dieser Witz ist alt, von Herrn Hirschhausen und er zeigt, dass dieser nie Admin an einer Schule war, sonst hätte er wohl eher etwas Unverfängliches wie „Abflussreiniger“ gesagt.

Tatsächlich sind Laserdrucker ein Reizthema an Schulen. Wie kommen die da eigentlich hin? Wollen Schüler nicht lieber PDFs? Kennen Lehrer eigentlich PDFs? (Für Lehrer: Was sind eigentlich PDFs?)

Die Antworten bekommen Sie wie immer hier!

Irgendwo an jeder Schule gibt es einen Netzwerksklaven… manchmal auch mehrere. Irgendwie hält sich jede Schule auch einen Netzwerklohnsklaven – also jemanden, der als Unternehmer Netzwerke pflegt und zur Stelle ist, wenn der Schuladmin nicht mehr weiter weiß. Leider ist dies manchmal auch umgekehrt.

Als es einmal darum ging, unser System zu relaunchen – also 300PC mit einen neuen Image (also Betriebssstem mit allen Programmen in aktueller Version) zu versehen und den Server neu zu konzipieren, machte ich einen KISS-Vorschlag. (KISS=Keep it simple & stupid). Die Idee war weitestgehend kostenneutral, da sie das Alter und die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Geräte berücksichtigte: Jeder PC hat nur ein lokales Benutzerkonto und bei Bedarf an Serverleistungen erfolgt eine Bedarfsanmeldung an einer Netzwerkfreigabe. Der Server wird also erst kontaktiert, wenn mann ihn braucht. Der Internetverkehr sollte durch einen transparenten Proxy gefiltert werden.

Ein externer Lohnsklave kann mit einer solchen Idee natürlich nichts anfangen, da er daran nicht verdient. Deshalb machte dieser uns einen Gegenvorschlag: Ein verwaltetes Netzwerk in Form einer Windows-Domäne. Dafür müsse natürlich ein neuer Server beschafft werden. Der von ihm zu leistende Einrichtungsaufwand wäre auch gar nicht so groß – nur ein kleiner, fünfstelliger Betrag.

Über die Vorteile der Domäne für den Nutzer – also für uns – befragt, anwortete er: „Das macht man heute so“. Dieses Argument hat die Schulleitung sofort überzeugt und der Auftrag wurde erteilt.

Ich habe mich natürlich gefragt, was an meinem Vorschlag falsch war und habe bald erkannt, dass „kostenneutral“ in einer imageträchtigen Welt ein Reizwort ist. Natürlich kann eine Lösung nur gut sein, wenn sie teuer ist.

Natürlich hatte ich ein paar Fragen an den Lohnsklaven. Schulen sind keine Wirtschaftsunternehmen – bei uns machen alle gleichzeitig Pause. Wenn diese vorüber ist, werden alle Rechner gleichzeitig eingeschaltet und angemeldet. Dies ist eine wahnsinnige Belastung für den Server – ob er das wohl mit Windoof hinbekommt? Natürlich, schließlich werde ja auch ein ganz toller und teurer Server beschafft.

Hierzu möchte ich das Ergebnis mit den Worten eines Kollegen beschreiben, der die neue Serverstruktur nach den Sommerferien auf einer Konferenz vorstellte:

„Nach dem Anmelden warten Sie erst einmal zwei Minuten. Machen Sie nichts, gar nichts. Wenn Sie zwischenzeitlich eine Taste drücken oder etwas anklicken, kommen für jeden Klick zwei Minuten dazu. Wenn Sie denken, der PC ist soweit, warten Sie noch einmal zwei Minuten. Das ist normal, wenn sich so viele Rechner gleichzeitig am Server anmelden.“


Der Rekord für eine Anmeldung lag schließlich bei 20 Minuten.

Jetzt wäre es unfair, nur die Nachteile der Serverstruktur zu erwähnen. Eine Domäne birgt auch viele Vorteile, z.B. eine Schwachstellenanalyse über Logfiles – wenn diese durchgeführt wird.

Dadurch, dass die Nutzer namentlich angemeldet sind, kann der Proxy, der den Internetverkehr überwacht, natürlich namentlich angeben, wer wann auf welcher Seite war. Ein Mißbrauch kann also entsprechend bestraft werden. (Ein transparenter Proxy kann nur filtern, da war meine Lösung wirklich unterlegen).

Leider war unser Lohnsklave nicht in der Lage, den ISA-Server aus dem Hause Microschrott entsprechend zu konfigurieren. Wegen mangelnder Leistungsfähigkeit wurde das (natürlich trotzdem bezahlte) Gerät schon bald vom Netz genommen. Zuvor lief mein Testgerät „IP-Cop“ (Linux) fehlerfrei ein halbes Jahr lang im Testbetrieb – natürlich voll funktionsfähig. Aber da kostenlose Software bekanntlich nichts taugen kann…

Bei einem verwalteten Netzwerk, so meine optimistische Frage an den Lohnsklaven, könnten wir ja endlich auf die PC-Wächter-Karten „Dr. Kaiser“ verzichten? Immerhin hätten wir dann eine Doppelfunktionalität zweier sich störender Systeme.

Auf eine Sicherheitsfunktion, die vorhanden (und bezahlt) ist, wird niemals verzichtet, wurde ich belehrt. Später stellte sich heraus, dass die Domäne mit Dr. Kaiser-Produkten Probleme hatte und ein anderes Produkt stattdessen beschafft werden mußte. Aber bei den bisherigen Aufwand sind weitere 30 Euronen pro Gerät ja eine Kleinigkeit und man soll ja auch nicht an der falschen Stelle sparen. Der Einrichtungsaufwand (also bezahlte Arbeitszeit) ist ja auch nicht so groß.

Den PC-Wächterkarten „Dr.-Kaiser“ habe ich lange nachgetrauert: Diese Karten haben ein kleines Programm dabei, mit dem der Lehrer den Bildschirm der Schüler-PC ausschalten kann. Leider hat der Lohnsklave hierbei ein paar Raumnummern vertauscht. Immer wenn ich im Raum V23 die Bildschirme ausschaltete, wurden sie auch in F2 dunkel und zu meiner Lieblingsstunde hatte dort zeitgleich ein Kollege Unterricht, der in seiner Funktion als Abteilungsleiter zu den Domänen-Befürwortern gehörte.

Ich habe ihm somit per Mausklick regelmäßig daran erinnert, dass es die Verantwortung der Schulleitung ist, für eine bezahlte (Fehl-)Leistung auf einer Nachbesserung zu bestehen. Die Nachbesserung wurde schließlich vollzogen – in Form eines Raumtausches, so dass ich dem Kollegen leider nicht mehr die Bildschirme verdunkeln konnte. Der Raum wurde nur noch in Notfällen genutzt.

Ein wahnsinniges Chaos brach aus, als jeweils nach den Ferien die Uhrzeit der Computer nicht mehr stimmte – die BIOS-Batterien sind nach ein paar Jahren schließlich leer. Leider akzeptiert ein Windoof-Domänencontroller nur Anmeldungen von Geräten, die die gleiche Uhrzeit haben – aus Sicherheitsgründen.

Hier muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich dieses Problem nicht vorhergesehen habe – erheitert hat es mich trotzdem. Ich habe schon einen Kollegen aus den Reihen der Windowsdomänenbefürworter mit einer großen Tüte Batterien von PC zu PC gehen sehen. Leider hat mein fehlender Realismus mich um diesen Triumph gebracht. Natürlich kann eine Medienschule keine Computer tolerieren, die so alt sind, dass die BIOS-Baterien schon leer sind – schließlich müssen wir ja an unser Image denken! Also wurden neue PC beschafft.

Laserdrucker… was haben die mit der Domäne zu tun? Viel! Hier geht der Spaß erst richtig los!

Wünschenswert in einem Netzwerk ist eine Kontingentsteuerung für Drucker. Hierbei wird den Nutzern vorgegeben, wieviele Seiten sie in welcher Zeit bedrucken dürfen. Unter Linux ist dies mit der kostenlosen Software CUPS recht leicht zu lösen. Unter Windows ist dieses weder leicht noch kostenlos und ist somit faktisch undurchführbar.

Aber Laserdrucker in einer Windows-Domäne bringen richtig Spaß: Manchmal verwechselt der Lohnsklave ja die Räume und alle Druckaufträge eines Raumes landen beim Kollegen im Raum. Wenn dieser klug genug ist, den Drucker einfach auszuschalten, so speichert der Server die Druckaufträge und der nächste Kollege, der den Drucker einschaltet, bekommt erstmal 3.000 Blatt Papier bedruckt.

Praktisch wäre also, wenn Kollegen die Druckaufträge einfach löschen könnten – wie bei dem kostenlosen CUPS. Unter Windoof ist dieses natürlich weder einfach noch kostenlos – dafür aber viel professioneller. (Leider sind die Kollegen mit der Bedienung überfordert).


Weder Schüler noch Lehrer durchschauen übriges den Zusammenhang zwischen „Ich klicke auf Drucken“ und „Drucker druckt nicht“. Im einfachsten Fall ist der Drucker nicht eingeschaltet. Für Lehrer und Schüler – theoretisch – noch leicht zu überprüfen. Manchmal ist am Server die Druckwarteschlange „abgestürzt“ und der Drucker auf „Offline“ geschaltet – unter CUPS einfach zu lösen, haben wir aber nicht. Und wenn es im anderen Raum druckt, wird bald ein genervter Lehrer den Raum betreten, der darum bittet, das Drucken einzustellen. Manchmal bringt er sogar die Ausdrucke mit.

Egal ob Drucker aus, Druckwarteschlange down oder anderer Raum: Wenn nach Klick und „Drucken“ nicht sofort ein Druck angefertigt wird, startet bei Schüler und Lehrer sofort das Testosteron-Notprogramm: ICH SETZE MICH DURCH! Also wird dem Computer sofort demonstriert, wer der Stärkere ist: Ich klicke nochmal auf Drucken und NochMal und NochMal und NOCH-MAL!

Machmal kommen Kollegen auch während des Unterrichtes zu mir und bitten um Hilfe. Meist bekommen meine Schüler dann eine kleine Aufgabe und ich bin hilfsbereit. Einmal erschien eine möglicherweise hysterische Kollegin mit Doktortitel (ist frau gleich hysterisch, nur weil sie schreit?) „Dieser Scheißdrucker geht wieder nicht, wieso bekommst Du das nicht in den Griff!“ Mann beachte das Ausrufezeichen anstelle des Fragezeichens. Mein gutgemeintes Hilfsangebot „Ist der Stromstecker auch in der Steckdose“ brachte ein herzliches „Natürlich, ich bin doch nicht doof!“ als Antwort. Gut das zu wissen, mindestens anhand des Verhaltens war ich nämlich schon zu einen anderen Schuss gekommen. Wir machten uns also zu zweit auf in ihren Raum und sahen einen Laserdrucker. Neben dem Laserdrucker an der Wand die Steckdose mit einem Stecker darin – die Kollegin hatte also richtig beobachtet und die Wahrheit gesagt. Leider befand sich das andere Ende des Kabels am Boden und nicht in der passenden Buchse des Laserdruckers. Meine Bemerkung „Du hast die Geräte induktiv gekoppelt, das funktioniert hier leider nicht“ hat ihrem Humor leider nicht geholfen, dabei hätte ich die Situation doch so gerne „deeskaliert“.

Also liebe Kollegen: Das Stromkabel muss leider an beiden Seiten eingesteckt sein!

Wäre der durchschnittliche Steuerzahler, der die Tonerpatronen für unsere Laserdrucker bezahlen muss, 1,80 groß, Bodybuilder, gewalttätig und ANWESEND, so wäre auf einen Lernzuwachs der Druckernutzer zu hoffen. So wird es wohl so weitergehen.

Schüler übrigens bevorzugen PDFs wegen des geringeren Gewichtes und weil diese schon im Drucker gelocht werden können 😉

Wenn sich noch jemand wundert, warum ich in der Klappsmühle gelandet bin, möge selbiger sich um die freie Schuladminstelle bewerben. Die Therapeuten in der Klappse sind schon mit dem Beschwerdebild vertraut und ein Zimmer ist auch schon reserviert.

Und jetzt eine Denksportaufgabe: Sollten Sie diesen Text in der Schule lesen, wie schaffen Sie es dann, ihn im Nebenraum zu drucken? Die Lösung ist ganz einfach…

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