Einleitung zu Kapitel 1: In der Klappsmühle

Dezember 2012: Der BTFH ist in der Klappse angekommen: Zu einem ordentlichen Lehrerleben gehört wohl von Zeit zu Zeit auch ein Aufenthalt in einer „Ballerburg“. Ist die Prädisposition zu Depressionen verantwortlich für die Berufswahl oder wird man als Pauker zwangsläufig irgendwann irre?

Mir jedenfalls wurden erstmal die Mitpatienten vorgestellt. Ein heterosexueller Friseur (OK – er ist hier, weil er es noch nicht kapiert hat), ein paar Finanzbeamte (habe ich hier irgendwie erwartet) und (etwa 50% der Insassen) LEHRER! Ein ganzes Kollegium! Alle Schulformen!

Und wer ist nicht hier? Genau: Polizisten. Wir müssen also voneinander lernen. Was genau machen Polizei und Lehrer anders im Umgang mit dem gleichen Klientel? (Dass unsere Rabauken regelmäßigen Polizeikontakt haben, wissen wir ja von den Entschuldigungen: „…konnte wegen eines Gerichtstermins nicht am Unterricht teilnehmen“). Übrigens ist man erst dann im Lehrerberuf angekommen, wenn man die Telefonnummer der Jugendgerichtshilfe auswendig kennt.

Ich gehe also davon aus, dass der Unterrichtsausfall wegen depressiver Lehrer schlagartig verringert wird, wenn die Ausrüstung von Polizei und Lehrerschaft einander angeglichen wird. Vielleicht können wir mit Pfefferspray beginnen, ich werde gleich eine Anforderung an die Schulbehörde versenden.

Neben den Insassen gibt es hier natürlich auch Personal, zum Beispiel „Zivis“. Nichts gegen Zivis – jeder sollte einen haben. Einer meinte kürzlich, in der Küche verzweifelnd: „Ich werde hier noch verrückt“. „Nein, bitte nicht – wir sind schon so viele!“ war die Antwort. Überhaupt haben wir schon sehr viel über uns gelernt und üben uns in Selbstreflexion: „Der Tisch ist instabil, ich glaube, da ist eine Schraube locker“. „Warum sonst sollte er hier sein?“.

Hier ist es wirklich schön: Keine Schüler! (Die kommen erst in etwa 20 Jahren), drei Mahlzeiten pro Tag und Kaffee satt.

Dumm nur, dass ich den ersten schneeschulfreien Tag meines Lehrerlebens somit verpasst habe.


Bekommen Klappsdoktoren für die Behandlung von Lehrern eigentlich eine Erschwerniszulage? Wird von denen wirklich erwartet, uns in die Menschheit zu integrieren oder reicht die Wiederherstellung der Dienstfähigkeit? Würde eine Heilung die Dienstunfähigkeit nach sich ziehen?

Leider wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass ich bei meinem Beschwerdebild keinen „Jagdschein“ habe. Schade, das Strafrecht bleibt also für mich in Kraft. Dabei habe ich eine so schöne TODO- Liste im Gepäck 🙁

Warum fragen meine arbeitenden (lach!) Kollegen mich permanent, ob hier noch Zimmer frei sind? Warum posten meine Schüler auf Facebook die Frage, wann ich wiederkomme? Wann bekomme ich endlich mein Pfefferspray?

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