Das Urteil: Einsatz in der Berufsfachschule (kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden)

Es gibt so manchen Unterrichtseinsatz, der einem Lehrer die Schweißperlen auf die Stirn treten läßt. Damit spiele ich nicht auf eventuelle Migrationshintergründe der Schüler an, das kann Herr Sarazin besser. Ich meine die Schulform.

Es gibt interessante Schulformen, dazu gehört die „Berufsfachschule Teilqualifizierend“. Die vollqualifizierende Berufsfachschule endet mit einem Berufsabschluß, der sinnfrei ist, denn mit diesem Berufsabschluss wird niemand eingestellt. Er ermöglicht es allerdings, einen Ausbildungsplatz in der gleichen Fachrichtung zu bekommen.

Die Berufsfachschule Teilqualifizierend ist dazu da, den Realschulabschluss nachträglich zu erwerben. Das Klientel sind also Hauptschüler, die sich noch nicht in der Lage fühlten, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. (O-Ton Durchschnittsschüler: „Ich will hier Real.“ Durchschnittsantwort BTFH: „Der Real ist gegenüber von ALDI“.)

Eine Schülerkarriere kann also so aussehen: erst 2-3 Jahre die zweijährige Berufsfachschule Teilqualifizierend (ein Jahr darf wiederholt werden). Weil es hier so schön ist und der Schüler auch schon alle Lehrer kennt, gleich danach die zweijährige Berufsfachschule Vollqualifizierend (auch hier darf wieder ein Jahr wiederholt werden) und dann noch eine Ausbildung in dieser Fachrichtung. Das Ergebnis: der Schüler ist zehn Jahre an der gleichen Berufsschule gewesen, um einen Ausbildungsberuf zu erlernen! Andere erledigen in dieser Zeit Studium, Promotion, Habilitation, zweifache Gestration nebst partus, Hausbau und Erfolge im Leistungssport.

An einer Medienschule kommt noch ein weiteres Problem dazu: Die bösartige Täuschung der Schüler! Ja wirklich, mit einem ganz dämlichen Trick werden ahnungslose Jugendliche an die Schule gelockt und dort für zwei Jahre gegen ihren Willen gefangengehalten! Das, was die Kleinen eigentlich wollen, gibt es dort nämlich gar nicht! Kritzeleien werden nicht als große Kunstwerke gewürdigt und Schauspielunterricht gibt es auch keinen! Herr Bohlen kommt auch nicht vorbei und verteilt Spitzenjobs – was ist das bloss für eine Medienschule! Und das Fach „Rap“ gibt es auch nicht! Stattdessen muss der arme, aber doch soooo toll kreative Schüler (und genau dafür halten sich alle) sich mit kaufmännischen und organisatorischen Themen aus dem Medienbereich befassen und dann noch technischen Kram wie HTML lernen. Das ist doch gemein und unverantwortlich!

Was, das steht alles auf der Schulhomepage und der Schüler hätte sich vorher informieren müssen? Wo leben Sie denn eigentlich? Schüler und lesen – das ist unzumutbar. Stellt Euren Kram doch gefälligst als Video bei Youtube ein, das wäre „Medienschule“.

Wer einem dabei wirklich leid tun kann, ist der Steuerzahler. Jedes Schuljahr an einer Vollzeitschulform kostet pro Schüler etwa 10.000 Euronen. Die Berufsschulzeit kann als ein Vollzeitjahr gerechnet werden. Der so mühsam Nachqualifizierte hat also eine Berufsausbildung im Wert von 70.000 Euronen bekommen. So mancher Studiengang ist preisgünstiger. Dazu kommen noch die Gelder aus dem Schülerbafög, das Schüler der Vollqualifizieren- den Berufsfachschule ohne die Verpflichtung zur Rückzahlung erhalten.


Warum streicht mann diese unnötigsten aller Schulformen nicht? Dabei gibt es zwei Probleme. Zum einen die Schulpflicht. Warum kann jemand, der total bocklos ist, nicht nach der Hauptschule eine ungelernte Tätigkeit übernehmen und später – gereifter und mit mehr Einsicht – noch einmal zur Schule gehen? Auf der anderen Seite freuen sich die Schulleiter. Möglichst viele Schüler ins Haus zu bekommen und möglichst in weiteren Schulformen im Hause zu halten, hebt künstlich die Schülerzahlen und damit die eigene Wichtigkeit, schafft mehr Lehrerstellen und damit mehr Gewicht in der Schulleiterkonferenz.

Im Umkehrschluß bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt – in der Gastronomie zum Beispiel. Dabei wären die Schüler gerade für diese Tätigkeiten geeignet! Aber statt die offenen Stellen zu besetzen werden sie „wegqualifiziert“ in einen Bereich, in denen ihre „CPU-Leistung“ doch nicht ausreicht. Das wird aber meist erst nach der zweiten Berufsfachschule (also nach der Vernichtung von ca. 60.000 Euronen und sechs Jahren Lebenszeit) bemerkt.

Tatsächlich gibt es pro Klasse immer ein oder zwei Schüler, für die der Aufwand lohnt und die im Berufsfeld bestehen könnten. Warum können diese Schulformen nicht mit einer Eingangsprüfung versehen werden und nur nach tatsächlichem Bedarf der Ausbildungsbetriebe und Leistungsfähigkeit der Schüler betrieben werden? Naja – Masse statt Klasse ist von jeher schon beliebter gewesen…

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