Wie ist das Wetter?

Eine einfache Frage? Eine wichtige Frage? Der Beginn von Smalltalk? Nein – für jugendliche Mädchen eine Frage, die unmöglich zu beantworten ist. Es ist bei denen immer Sommer …. 35° im Schatten.

Wie ich darauf komme? Schon einmal eine Jugendliche gesehen? Die tragen bauchfrei – auch im tiefsten Winter.

Dass Jugendliche noch nicht zwischen Freizeitkleidung und Berufskleidung (oder Schulkleidung) unterscheiden können, ist mir klar. Weniger klar ist mir, warum Jugendliche nicht zwischen schulgeeigneter Kleidung, Sportanzügen und Schlabberschlafanzügen unterscheiden können. Alle diese Varianten sind im durchschnittlichen Klassenzimmer zu finden. Die schlimmsten Varianten möchte ich hier beschreiben:

Seit Britney Spears tragen Teenie-Girls bauchfrei. Bei jedem Wetter! Eine Schülerin habe ich aus gegebenen Anlass einmal gefragt, ob sie sich den Unterschied zwischen „bauchfrei“ und „schwartenfrei“ vorstellen könnte. Sie hat angekündigt, sich zukünftig in den Schlaf heulen zu müssen – ihren Kleidungsstil aber beibehalten. Unter der Modeerscheinung „Bauchfrei“ wird alles präsentiert: Rettungsringe, Schwabbelmassen, Winkfleisch – alles hat ein Recht auf frische Luft. Die Vorbilder, denen diese Mode geschuldet ist, waren eher magersüchtig mit Silikonpolstern – ebenfalls nicht erstrebenswert und somit nicht nachahmenswert.

Leider geht mit der Bauchfrei-Mode auch eine McDoof-Mode einher: Kalorien um jeden Preis. Bisher waren die wahren Horroranblicke nur den Strandgängern vorbehalten – und die hofften auf Greenpeace-Aktivisten, die die Massen als Wale erkennen und ins Meer zurücktragen.

Noch eine Nebenwirkung dieser Mode: Sprunghaft gestiegene Erkältungszahlen bei Temperaturen unter 25°C.

Probleme mit der Hosenlänge und dem Schnitt haben gleich beide Geschlechter: Bei den Jungs sitzt der Schritt teilweise in den Kniekehlen – so entsteht ein schöner „Köddelsack“. Stolz bezeichnen die Träger dieser optischen Beleidigung ihren „Style“ als „Gangsterlook“. Schon mal einen Gangster gesehen, der nicht wegrennen kann, weil ihm die Hose im Schritt hängt? Schon mal probiert, mit diesen Beinkleidern einen Überfall zu starten? Das Geld der Opfer bekommt ihr nie, weil die sich vor Lachen krümmen werden. Die Schaffer dieser Mode hatten wenigstens Humor; die Möchtegerngefährlichen derart der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Mädels haben den Sinn der Hose am oberen Ende nicht ganz verstanden. Getragen werden Hosen, die so tief enden, dass das Maurerdekolleté zu sehen ist – und das obere Ende des String-Tangas – wo wir wieder bei der Unterscheidung zwischen Freizeitkleidung und (das lassen wir jetzt besser).

Der String wurde übrigens geschaffen, damit sich die Nähte eines Slips nicht am dünnen Stoff der Hose/des Rockes abzeichnen. Die Jeans gehört hier nicht dazu. Auch ist „Arschfrissthose“ gar kein so tolles Tragegefühl – aber was tut frau nicht alles, um für cool gehalten zu werden.

Dabei weiß eigentlich jede(r), dass lange Beine ein Schönheitsideal sind. Preisfrage: Entsteht durch eine Hüfthose eine optische Verkürzung oder Verlängerung der Beine? Richtig – die Beine werden verkürzt – ihr verhässlicht euch also.

Wo wir aber gerade bei den Hosen sind, können die Lehrer nicht ungeschoren davon kommen: Eine Hose wird mit GÜRTEL getragen. Meinetwegen auch mit Hosenträger. NIEMALS mit Gürtel UND Hosenträger! Eine Hose passt dann, wenn sie unten und hinten auf der Mitte des Absatzes endet. Unten und vorn sollte sie leicht auf den Schuh aufstoßen, dabei aber keine Falten werfen.


Der Bauch gehört IN die Hose und nicht darüber!

Helle Farben gehören in den Sommer! Und noch eine Preisfrage: Was war 1970? Da waren Kordhosen modern. Seitdem nie wieder (und hoffentlich auch niemals wieder).

Bei der Lackierung versuchen manche Mädchen, es mit einen Neuwagen aufzunehmen: Spachtel, Füllgrund, Grundierung und Endlackierung. Die Haut ist meistens nicht mehr zu sehen.

Besonders gefallen mir diejenigen, die verspätet – aber mit voller Kriegsbemalung – zum Unterricht erscheinen und sich mit „ich habe verschlafen“ entschuldigen. Das bedeutet für mich, dass die Schülerin entweder (a) mit voller Kriegsbemalung geschlafen hat oder (b) das frühmorgendliche Lackieren wichtiger findet als ein pünktliches Erscheinen.

Übrigens erkennt man eine gute Schminke daran, dass man sie nicht sieht. Zu viel Schminke wirkt bei älteren Frauen peinlich, bei jungen billig. Und bei der Unterscheidung zwischen Freizeit- und Arbeitskleidung muss zur Schinke angemerkt werden: Es gibt nur wenige Berufe, in den extreme Schminke vonnöten ist.

Bei mancher Lehrveranstaltung neunten Klasse Mathematik hatte ich eher den Eindruck bei einer Fortbildung der freischaffenden Künstlerinnen der Herbertstraße gelandet zu sein.

Und dann der Geruch! Getragen wird SÜSS – um jeden Preis, und reichlich davon. Dabei ist „süß“ die einzige Geruchsvariante, die in der Lage ist, ein Duschdefizit zu überstinken. Somit setzt sich jede, die ein betont süßes Parfüm benutzt, dem Verdacht aus, ein Körperpflegedefizit zu verwalten: Sprühen statt waschen.

Die einzige Chance des Lehrers, die Stunde ohne Atemnot zu überleben: alle Fenster auf… bis die bauchfrei-Teenies schreien, dass ihnen kalt ist. Dieses ist dann zu ignorieren mit dem Hinweis auf das Wetter und der Jahreszeit entsprechende Kleidung. Bis dahin haben die ersten wieder angefangen, ihr Schminkzeug herauszu- holen.

Bis das Land (die Welt) neue Vorbilder hervorbringt, bleibt der Lehrer da wohl machtlos. Wohl dem, den eine Depression vor diesem Klientel rettet – mich zieht nichts zurück in die Irrenanstalt Schule, wie schön ist es doch mit den anderen Depressiven in der „richtigen“ Ballerburg.

Wie schön wäre eine offizielle Schuluniform! Der Markendruck wäre gebannt, die Unsicherheit bei der Kleidungswahl wäre dahin und Lehrer sähen endlich wie ordentlich gekleidete Menschen aus. (Liebe Lehrer, wenn ihr als Akademiker ernst genommen werden wollt, solltet ihr in der Besoldungsgruppe A13 und höher über das Tragen einer Krawatte nachdenken – die ist andernorts in unserer Gehaltsklasse selbstverständlich).

Die Schüler tragen mit Jeans und Sportschuhen (auch die unsportlichen) ohnehin schon Uniform.

Die Vermeidung der Überschminkung und des übertriebenen Parfümeinsatzes bei den Mädchen dürfte mit einer Verbesserung des Bildungsniveaus einhergehen. Das notwendige Level dürfte bei der sicheren Beherrschung des kleinen Einmaleins erreicht sein.

Vielleicht hilft eine App (das sind Programme, die auf dem Hirnschrittmacher – also auf den Mobiltelefon – laufen), das die Wetterdatenbank abfragt und dem aus dem Inhalt des Kleiderschrankes (EAN-Codes mit dem Mobiltelefon einscannen!) die Kleidung des Tages zusammenstellt?

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